PURPLE FASHION

SS17
Fashionbibel


SFr.25.00 On Sale

Er ist vielleicht so mächtig wie Anna Wintour, kriegt von den Medien aber nicht den Bruchteil der Aufmerksamkeit. Dabei sucht er durchaus die Aufmerksamkeit: Er tritt auf wie ein Rocker, er schüttet sein Herz vor der ganzen Welt aus und zeigt auf den Seiten seines Magazins so viel nackte Haut, dass er aufpassen muss, dass sein Heft am Kiosk nicht in der Pornoabteilung landet. Olivier Zahm heisst der Mann mit den Ray-Bans und der Lederjacke, der an der Spitze des französischen Modemagazins «Purple Fashion» thront.

Zahm selbst ist im Heft omnipräsent: als Editor, als Interviewer, als Stylist, als Fotomodell. Er habe sich die Aufgabe gesetzt, Sex, Kunst und Philosophie zurück in die Mode zu bringen. Sozusagen ein «Du» mit Brüsten oder eine «Vogue» mit intellektuellem Anspruch. Das ist längst nicht so plump-provokativ, wie es klingt. «Purple Fashion» nutzt für die Präsentation der Sommerkollektion Selfies statt steriler Fotostrecken. Sie interviewen lieber einen weniger bekannten Künstler oder Philosophen, statt wie der Rest der Welt Taylor Swift nachzurennen. Sie lassen Terry Richardson oder Juergen Teller ihre Artikel bebildern und drucken Fotoessays. Das Heft ist frischer, frecher und risikofreudiger als so manches Hochglanzmagazin in der Kioskauslage.

«Purple Fashion» kann sich seine aneckende Unbekümmertheit leisten — wie bei jedem Modeheft blättert der Leser auch in Zahms Modebibel in den ersten zwanzig Seiten nur durch Werbung. Dennoch ist das Magazin alles andere als eine Cashcow. Zahm lässt auf Produktionsseite mächtig Geld raus: Bis zu einer halben Million Euro kostet ihn eine der halbjährlichen, zwei Kilo schweren Ausgaben. «Gute Inhalte sind mein Hauptanliegen. Eines Tages werde ich auch Geld machen», so Zahm. Damit hält er es wie alle erfolgreichen Magazinmacher: Inhalte zuerst, Gewinne später – nicht umgekehrt.

Zurück zur Startseite