APARTAMENTO

Issue 20
Interiors mit Charakter


SFr.18.00

Wir haben kürzlich versucht, uns die dritte Ausgabe von APARTAMENTO zu kaufen. Sie war zu haben, aber sie war uns zu teuer: 292 Dollar kostet das Exemplar. Offensichtlich gibt es viele Leute da draussen mit der Motivation, die Lücken im Jahrzehnt zwischen der ersten und der 20. Ausgabe in ihrer APARTAMENTO-Sammlung zu füllen.

Sie haben guten Grund dazu. Das Interior-Magazin von Nacho Alegre und Omar Sosa gehört zu den grossen Namen der unabhängigen Magazinszene — so gross, dass ihr Einfluss längst über die Indie-Szene in den Mainstream übergeschwappt ist. Die Home Stories-Ausgabe des Friday Magazin war unverblümt apartamento, und wenn wir die rot unterstrichenen im Annabelle-Layout sehen, ziehen wir im Kopf sofort Parallelen zum spanischen Interior-König. APARTAMENTO hat sich gefunden; die Fotografie, das Format, die Inhalte, sie alle sprechen dieselbe Sprache, von Ausgabe zu Ausgabe. Die Zyniker würden sagen: Über 20 Ausgaben dasselbe. Und sie haben nicht Unrecht: Es sind primär die porträtierten Personen, die sich über die Ausgaben hinweg ändern.

Und doch haben wir jedes Mal, wenn wir die neue Ausgabe weglegen, den Eindruck: Das war die beste Ausgabe bisher. Das Magazin wirkt vertraut, und trotzdem haben sie dieses Mal noch spannendere, schrulligere Personen in ihren Heimen besucht und interviewt als beim vorigen Mal. In der aktuellen Ausgabe: Lawrence Weiner, Na Kim, Gay Talese, Kyoichi Tsuzuki, Maria Pratts, Jerry Schatzberg, Julien Dossena, Alec Soth, Margot & Fergus Henderson, Joseph Holtzman, Beach house in drag, Maureen Paley, and Domestic dystopia?

Es sind alles beeindruckende Namen. Aber noch beeindruckender ist es, wie APARTAMENTO es schafft, diese Charaktere zu porträtieren. Die Persönlichkeit alleine reicht nämlich nicht. Es braucht den Fotografen, der Details auf dem Sideboard einfängt. Es braucht Interviewer, die mit ihren Gegenüber so vertraut sind, dass sie Fragen stellen können, die wir als Leser nie so stellen könnten — weil uns das Hintergrundwissen fehlt. Und es braucht Editors, die die Antworten so transkribieren und herunterbrechen können, dass wir trotz fehlendem Hintergrundwissen mitkommen und etwas mitnehmen. Und uns fühlen, als sässen wir am selben Tisch. APARTAMENTO kann das. Viele andere Magazine können das nicht.

Sprache: Englisch

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